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Zivil- oder Wehrdienst
Vor kurzem feierte die Bundeswehr ihren 40. Geburtstag, für viele nicht nur ein Anlaß zum Feiern. Deutsche Politiker bemühen sich gerade, den Wehrdienst attraktiver zu gestalten, nicht aus Sorge um die Zukunft der Bundeswehr, sondern weil man weiß, daß die jungen Männer nicht gerne kommen.
Die Diskussion um den Bosnien-Einsatz der Bundeswehr machte dies deutlich. Viele junge Männer - Kriegsdienstverweigerer und Wehrdienstsoldaten - wollen ihr Leben nicht für diesen Krieg riskieren. Ein Kriegsdienstverweigerer sagt:
"Man kann Frieden nicht mit Gewalt erzwingen. Die Menschen brauchen neue Möglichkeiten, um sich untereinander zu verständigen."
Einer der Wehrdienstsoldaten ist im Prinzip nicht gegen friedenssichernde Einsätze der Bundeswehr, will aber im Balkankrieg seinen Kopf nicht hinhalten, weil die Politiker bisher nur Fehlentscheidungen getroffen hätten. Er fragt sich, wofür die mehr als 150 getöteten Blauhelm-Soldaten eigentlich gestorben sind.
170000 Wehrpflichtige braucht die Bundesrepublik pro Jahr, aber seit der deutschen Einheit ist die Zahl der Kriegsdienstverweigerer ständig angestiegen. Jeder vierte (!) Wehrpflichtige stellt aus Gewissensgründen einen Antrag auf Zivildienst - etwa 12 % werden abgelehnt.
Sind die 150000 Zivis nun "eine Generation von Egoisten", wie die Wehrbeauftragte Claire Marienfeld meint, oder "die Drückeberger der Nation"?
Die meisten Zivis finden den "Dienst am Menschen" nützlicher als den Umgang mit Waffen. Im Zivildienst betreut man in erster Linie kranke und behinderte Menschen entweder zu Hause oder in der Klinik, in Altenheimen usw. Man füttert und wäscht Patienten, versorgt Wunden, wechselt Windeln, spendet Trost - bis hin zur Sterbebegleitung.
Nicht immer sind die Zivis physisch und psychisch so gut drauf, wie die Menschen, die täglich damit zu tun haben und den Pflegedienst zu ihrem Beruf gemacht haben.
Nach Auskunft des Deutschen Wohlfahrtsverbandes fehlen im Pflegebereich 900000 Fachkräfte, deshalb kann man auf die Zivis als Betreuer nicht verzichten. Die meisten Bundesbürger sehen das ähnlich. Nach einer Allensbach-Umfrage werden Zivis und Soldaten heute als gleichwertig anerkannt.
(MBL, 9 b)
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