|
|
|
|||
![]() ![]() |
|
VorbereitungsklassenKennt ihr eigentlich die Schüler aus dem dritten Stock? Ich meine damit nicht die Klassen 7 c, 8 b, 9 a, 9 c oder 10 c, sondern die beiden Vorbereitungsklassen. Ich kannte bis vor kurzem niemanden von ihnen, ich wußte noch nicht einmal von der Existenz dieser Klassen. Inzwischen weiß ich mehr über diese Schüler. Es sind ausländische Mädchen und Jungen zwischen 12 und 16 Jahren mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen, die in ein bis zwei Jahren die Unterrichtssprache so weit beherrschen sollen, daß sie am Unterricht in Regelklassen teilnehmen können. Einige müssen sogar erst Schreiben und Lesen lernen. Frau Werkentin und Herr Werner sind die Klassenlehrer. Von ihnen hatte ich gehört, daß viele von diesen Mädchen und Jungen schlimme Erlebnisse hinter sich haben. Ich wollte mehr über sie erfahren und habe deshalb mit einigen von ihnen gesprochen. Bevor ich in die Klassen ging, atmete ich noch mal tief durch, denn ich wußte nur wenig über die Schüler. Was mich in den Klassen erwarten würde, wußte ich nicht. Aber als ich hinein kam, wurde ich herzlich empfangen! Ich traf 15 Schüler, die ich auch interviewt habe. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, aber alle verstehen sich prima. Trotz ihrer geringen Deutschkenntnisse verstehen sie die Lehrer. Manchmal gibt es Probleme bei den Hausaufgaben, aber ansonsten macht es ihnen Spaß. Ich möchte euch zunächst einige Mädchen vorstellen. Albina ist aus Ex-Jugoslawien hierher geflüchtet. Wenn sie die deutsche Sprache beherrscht, möchte sie später das Abitur machen und Ärztin werden. Senay kommt aus der Türkei. Sie ist sich nicht sicher, ob sie hier bleiben möchte oder dorthin zurückkehren soll. Später möchte sie Sängerin werden. Anurathy stammt aus Sri Lanka. Mit ihr konnte ich mich leider nicht sehr gut unterhalten, obwohl ich es außer mit Deutsch auch mit Englisch und Französisch versucht habe. Schade! Aber ich habe herausbekommen, daß sie Lehrerin werden möchte. Sabina ist ebenfalls aus Ex-Jugoslawien geflüchtet. Sie lernt eifrig Deutsch und möchte Polizistin werden. Filiz, Meral und Pinar sind Kurdinnen. Alle drei sind geflüchtet. Filiz möchte nach der Schule Krankenschwester werden, Meral entweder Stewardess oder Anwältin, Pinar Ärztin. Vesna stammt aus Ex-Jugoslawien und kam wegen des Bürgerkrieges hierher. Ihr Vater ist tot. Sie möchte hier weiter zur Schule gehen und später Sängerin werden. Die meisten Jungen stammen aus der Türkei. Emrullah möchte auch wieder in die Türkei zurück, um dort Fußballer zu werden. Serkan will später Bankkaufmann oder Polizist werden, Enver Mechaniker und Nadir will Medizin studieren. Dennis wurde zwar in Berlin geboren. Seine Familie lebte aber in Bosnien. Jetzt sind sie hier. Er lernt jetzt Deutsch und möchte später ebenfalls Arzt werden. Am meisten beeindruckt hat mich das Gespräch mit einem kurdischen Jungen. Er lebt ganz allein hier in Berlin. Da seine Familie Angst um ihn hatte, schickte sie ihn hierher, nur um gerettet zu werden. Sie haben alles verloren, alles von ihnen wurde vernichtet. Er hat keinen Kontakt zu seiner Familie. Bis zur 8. Klasse hat er eine Schule besucht, weiter durfte er nicht, nur weil er ein Kurde ist. Die meisten Kurden, die ich kennengelernt habe, hatten ähnliche Probleme. Sie aber wollen Bildung, sie wollen zur Schule gehen. Sie haben Ziele, sie möchten etwas werden. Als ich dies hörte und sah, wie er es sagte, traf mich das sehr. Es tat und tut mir auch jetzt noch leid, aber damit kann man ihnen nicht helfen. Aber sie sind stark, und das freut mich. Ich fand alle Mädchen und Jungen sehr sympathisch und kam mit allen gut zurecht. Mit einigen sprach ich türkisch und mit den anderen bosnisch. Obwohl einige Schüler etwas Tragischen erlebt haben, sind sie freundlich gegenüber anderen. Sie haben keinen Haß auf die, die einen anderen Glauben oder eine andere Religion haben. Sie sind eigentlich ein Vorbild für alle Menschen, die anders denken. Sie sind eigentlich genauso wie wir in der Schule. Sie haben dieselbe Art, die wir haben. Es gibt nur einen Unterschied, nämlich sie können die Sprache nicht so gut wie wir. Ich habe ihnen natürlich von unserer Schülerzeitung erzählt und davon, daß wir Nachwuchssorgen haben, da die Zeitung nur von uns Mädchen aus der 10 b gemacht wird und wir ja bald nicht mehr da sind. Spontan stellten sich einige von ihnen zur Verfügung, wollten gerne bei der Schülerzeitung mitmachen. Wenn da nur nicht das Sprachproblem wäre! Einige wollten auch wissen, ob die Artikel nur auf Deutsch geschrieben werden. Sie schlugen vor, eine internationale Schülerzeitung daraus zu machen. Eigentlich eine tolle Idee! (Suada Nusi, 10 b)
|