Über die Nutzung des Schöneberger Gasometers ist noch nicht entschieden
Werden in absehbarer Zeit Schöneberger Teenies, Techno-Freaks und Tango-Tänzer eine Attraktion besitzen, um die sie ganz Berlin beneidet? Noch liegt das imposante, weithin sichtbare Industriedenkmal neben dem S-Bahnhof Schöneberg im Dornröschenschlaf. Vom direkt angrenzenden Park an der Torgauer Straße rankt Efeu dem 1909 erbauten, 79 Meter hohen Zeugnis englischer Industriearchitektur entgegen. Zurzeit wird das Wahrzeichen Schönebergs, das einst den Aufbruch in ein neues Industriezeitalter symbolisierte, als Veranstaltungsort für Theateraufführungen und Kunstausstellungen genutzt.
Damit wird es wohl bald vorbei sein, denn der mit einem Fassungsvermögen von 160 000 Kubikmetern einst größte Gasbehälter Europas steht zum Verkauf. "Das gesamte Gasag-Gelände an der Torgauer Straße wird aus Kostengründen aufgegeben und verlagert", erklärt Josiette Honnef von der Pressestelle der Gasag. Der zukünftige Besitzer des Gasag-Geländes wird seine Vorstellungen zur Nutzung des Gasometers sicherlich mit dem Landesdenkmalamt und den Naturschutzverbänden absprechen müssen.
"Die Überlegungen reichen von einer Bungee-Jump-Arena bis zur Integration eines Erlebnis-Schwimmbades. Der Durchmesser des Behälters beträgt immerhin 61 Meter", erläutert Gerhard Zobel, Mitarbeiter der Gasag, der bis zur Stilllegung des Gasometers 1995 dort beschäftigt war.
"Jede volle Stunde, Tag und Nacht, selbst an Feiertagen, wenn es den Spitzengasverbrauch gab, fand eine Kontrollbegehung statt, um kleine Risse und Löcher im Behälter durch Pfeifgeräusche festzustellen und zuzukleben. Schweißen konnte man ja nicht", schildert Gerhard Zobel.
Der mit Stadtgas belieferte Behälter diente 86 Jahre lang als Speicher zwischen den Produktionsstätten in der Umgebung, die aus Kohle oder Benzin Gas produzierten, und den Verbrauchern in Schöneberg. Im Zuge des Auslaufens der Stadtgas-Eigenerzeugung im Westteil der Stadt und der Umstellung auf Erdgas-Direktbelieferung in Rohrsystemen schlug.
Über seine weitere Nutzung als Industriedenkmal kann man nur spekulieren. Denkbar ist alles: Hochgarage, Einkaufszentrum, Büroturm oder Museum - ganz oben vielleicht eine Tanzfläche. Sternenhimmel inklusive. In romantischen Ecken alte Gasleuchten, gespeist aus Propangasflaschen.
Beitrag der Klasse 10b zum Projekt Jugend und Schule der Berliner Zeitung
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