Teske-Oberschule

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Teskeling

CHINA

Noch vor wenigen Jahren eröffnete sich den Reisenden eine wunderschöne, bezaubernde Landschaft: Zwischen grünen Reisfeldern lagen nur wenige Dörfer zerstreut. Flüsse und Kanäle durchzogen das bebaute Land. Auf schweren Ochsenkarren fuhren Bauern die Ernte über schlammige Wege.
Heute sieht man kaum noch Grün. Links und rechts der neugebauten Autobahn bedecken Tausende von grauen Fabriken das Land. Wo mal Wasserbüffel gemütlich über Felder stampften, sind heute Industriegebiete vorhanden. Wo vor 25 Jahren noch ein Fischerdorf stand, sieht man heute grau-schwarze Riesen, die die mühsam arbeitenden Bauern verschlingen. Sie schuften für Niedriglöhne Tag und Nacht.
Von Fernsehapparaten bis zu Plastikeimern wird alles produziert, unter der Marke "Made in China" . Seit 1990 wurden 3000 (!) neue Fabrikgebiete aus dem Boden gestampft.
Jedes Jahr gehen von den 85 Mio. ha Reis- und Getreidefeldern 1,2 Mio. ha durch Bebauung, Erosion und Umweltverschmutzung verloren. Die Ackerflächen werden nur so verschlungen für die Nahrungsmittelproduktion, denn nie zuvor war das riesige Volk der Chinesen auf das wertvolle Land so angewiesen wie heute.
In einer neuen Studie wird China in diesem Jahr seine riesige Bevölkerung nicht mehr selbst ernähren können. Dieses Jahr ist China sozusagen über Nacht zum Reisimporteur geworden!
Wegen dieses Problems zahlte der Staat einem Bauern für seine Ernte nur 150 Yuan (25 DM). Damit muß er auskommen, obwohl das Existenzminimum 250 Yuan (41 DM) vorschreibt.
Der letzte Ausweg für viele Bauern ist die Flucht in eine der großen Fabriken. Dort bekommt man ungefähr 400 Yuan (66 DM) im Monat. Das ist fast wie ein Luxus. Wenn man dabei immer vor Augen hat, daß wir in Deutschland mindestens 2000 - 3000 DM im Monat verdienen und manch einer mit dieser Summe nicht auskommen kann! Deswegen zogen allein 1978 schon 110 Mio. Bauern auf der Suche nach Arbeit in die Städte.

Trotz der strengen 1-Kind-Politik soll die Bevölkerung im Jahre 2045 bis auf 1,6 Mrd. Menschen anwachsen. Daraufhin wurde errechnet, daß schon im Jahre 2030 bis zu 369 Mio. t Reis und Getreide fehlen werden. Seit Anfang der 80er Jahre liegen die verfügbaren Mengen auf dem Weltmarkt jedoch nur bei 200 Mio. t.

Noch nicht einmal alle Exportländer zusammen könnten diesen enormen Bedarf decken!

Nach Jahren der (uns bekannten) Überproduktion mußte Peking erstmals größere Mengen Getreide auf den internationalen Märkten einkaufen, um die Bevölkerung zu versorgen,
China ist ein Land der Berge und Wüsten. Seit Menschengedenken ist die Ackerfläche so gering, daß die Bauern mit kunstvoll angelegten Terrassen und Bewässerungsanlagen jeden noch so kleinen Landflecken zu nutzen lernten.

Trotzdem stellt sich jetzt die Frage: Wer ernährt China im nächsten Jahrhundert?

Wenn sich in China 1/5 der Erdbevölkerung nicht mehr selber versorgen kann und die Weltmarktreserven nicht ausreichen, könnte Getreide so wertvoll wie Erdöl zu Zeiten der Ölkrise werden. Nichts fürchten die Mächtigen (Politiker usw.) so sehr wie Hungerkrisen.
Bereits Anfang der 60er Jahre fand in China eine große Hungersnot statt, wobei ca. 30 Mio. Menschen verhungert sein sollten. Damals litt jeder fünfte Chinese an Unterernährung.

Die Nahrungsmittelnot zeigt schon die ersten Aufstände:

  • Hunderte von Bauern stürmten aus Protest das Tor einer Stadtverwaltung.
  • Woanders brannte eine Polizeistation nieder.
  • Und in einem Dorf griff die Dorfgemeinschaft die Steuereintreiber an und verprügelte die zum Schutz gerufenen Polizisten.
Chinas stärkster Mann, Deng Xiaoping, warnte schon vor Jahren:

"OHNE LANDWIRTSCHAFT GIBT ES KEINE STABILITÄT.
OHNE REIS UND GETREIDE GIBT ES CHAOS."

(MBL)


Wer von Euch weiß schon, daß Papier eintausend Jahre brauchte, bis es den Weg von China nach Europa fand, daß auch Banknoten erstmals im "Reich der Mitte" verwandt wurden oder daß der Astronom Guo schon im 13. Jahrhundert in der Lage war, die tatsächliche Länge eines Jahres auf wenige Minuten genau zu bestimmen?
Außerdem verdanken wir den chinesischen Erfindern und Entdeckern:

  • das Porzellan
  • das Schießpulver (Feuerwaffen und Raketen)
  • den Druck und die Schrift
  • viele medizinische Erkenntnisse (der Blutkreislauf)
  • zahlreiche mechanische Erfindungen
  • das Papier
  • die Astronomie
  • die Navigation und die Schiffahrt
  • die Bronze
  • und natürlich die Seide und die Webkunst
Vom 18. 11. 1995 bis zum 25. 2. 1996 gab es eine Ausstellung in Berlin "China - Wiege des Wissens" Viele Ausstellungsstücke konnten angefaßt und sogar ausprobiert werden. Ein chinesischer Papierhersteller, eine Seidenstickerin, drei Weber und ein Kalligraph führten ihre Arbeiten vor. Für Fragen der Besucher standen Dolmetscher bereit.

Falls diese Ausstellung auch in Eure Stadt kommt, müßt Ihr sie unbedingt besuchen. Es lohnt sich!


Haberling-Team - Letzte Änderungen: 8. 11. 1996

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